Zum Stil von   A N T O N I   D R O T H:
„........ Ab Mitte der 60er Jahre entstehen zunehmend Ölbilder, Landschaftsbilder und Stillleben. Sie entwickelt ihren unverwechselbaren Stil, der eine Nähe zur Kunst des Konstruktivismus besitzt. Um solche Bilder zu malen, arbeitet sie zuerst vor der Natur in Aquarelltechnik. Sie erfasst das Sujet – egal ob sie eine Stadt in der Toskana darstellt, die Stimmung eines Sommertages an einem See bei Berlin oder in Dänemark, oder ein Stillleben, schnell und zügig in der Wasserfarbtechnik. Erst danach – nach solchen Skizzen und Studien in der Natur – entstehen die Ölbilder im Atelier. Da klärt sich die Komposition, da wird getüftelt, Farben und Formen gegeneinander abgewogen. Es entstehen Arbeiten, die zwar das Motiv meist noch deutlich darstellen, aber in ihrer Malerei zeigt sich ein zentraler Grundzug der Moderne, die immer von den konkreten Tatsachen des Bildes ausgeht. Der fauvistische Maler Denis hat dieses Konkrete der Moderne Anfang des Jahrhunderts auf den Punkt gebracht, als er sagte: „Ein Bild ist nichts als ein zweidimensionaler Gegenstand“. Ein weiteres Diktum der Moderne hat Paul Klee formuliert, als er sagte: „Malerei bildet nicht ab, sondern macht sichtbar“, und dieser zentrale Satz trifft auch auf die Kunst Antoni Droths zu.
Ihre Bilder besitzen gewiss einen Raum, einen Tiefenraum, doch ist alles in ihren Bildern erklärbar, nachvollziehbar, das Gemachte wird nicht verheimlicht, sondern ist konkret. Das Hintereinander der Gegenstände und Landschaftsteile wird zwar nicht geleugnet – in der Realität ihrer Malerei wird aus dem Hintereinander aber ein Übereinander – also eine Ordnung in der Fläche des Bildes, keine illusionistische Nachahmung. Ebenso sind die Zwischenräume – meinetwegen zwischen Bäumen und Bergen – gegenüber diesen Bäumen oder Bergen nicht bedeutungslos, sondern in Farbe und Form genauso präsent wie die Gegenstände selber. Das gehört auch zur modernen Malerei: Es gibt nicht mehr das zentrale Motiv – den gekreuzigten Christus, den Berg, das Schiff oder was auch immer – alles ist ähnlich wichtig – das zentrale Ereignis ist die Malerei selber. Das ist ein Modell der Kunst, das sehr schön mit den Vorstellungen der Gleichberechtigung in der Demokratie korrespondiert .....“
Dr. Peter Funken
anlässlich der Jubiläumsausstellung zum 10jährigen Bestehen des GEHAG FORUM Berlin